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Der Kilimanjaro im nordöstlich liegenden Tansania ist mit 5895m der höchste alleinstehende Berg Afrikas und gehört zu den sogenannten „7 Summits“, also den höchsten Bergen unserer sieben Kontinente. Außerdem wurde er von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

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Die meisten die zum ersten mal etwas von diesem Berg hören und die Höhe sehen, denken sofort an Bilder aus dem Fernsehen mit viel technischer Kletterausrüstung, Seilschaft und Kälteschutzanzügen wie z.B beim Mount Everest.

Hier kann ich ohne Bedenken Entwarnung geben. Der Kilimanjaro ist ein relativ gastfreundlicher Berg der in meinen Augen nicht bestiegen wird sondern eher bewandert, da er keine technischen Kletterfähigkeiten oder ähnliches abverlangt. Welche Herausforderungen und Tücken der Berg dennoch mit sich bringt erzähle ich euch gleich.

WAS MACHT DEN KILIMANJARO SO INTERESSANT?

Als ich mich auf der Suche nach einem neuen Abenteuer befand, hatte ich folgende Punkte im Kopf:

1. Ich will etwas erleben das ich so schnell nicht vergesse.
2. Es muss eine physikalische und psychische Herausforderung sein.
3. Ein bisschen Erholung sollte gegeben sein (etwas widersprüchlich zu Punkt 2. aber egal)
4. Ich möchte eine vielseitige Landschaft.

Mit diesen vier Punkten festigte sich die schon länger aufgekommene Idee den Kilimanjaro zu bewandern und ich glaube genau dieses Zusammenspiel aus unvergesslichen Eindrücken, grandioser Landschaft und sich selbst etwas abzuverlangen macht den Berg so beliebt.

Im August buchte ich die sieben tägige Reise via Machame Route (Whiskey Route) mit einem extra Akklimatisierungstag über den Anbieter AufSafari.de. Mein Abflugdatum sollte der 30.Oktober 2018 sein. So hatte ich noch ausreichend Zeit für Vorbereitungen und befand mich mit dem Zeitraum außerhalb der Hochsaison die in der Mitte des Jahres liegt.

WIE BEREITET MAN SICH AM BESTEN AUF DEN KIBO VOR?

Grundsätzlich sollte man seine Vorbereitungen im Bereich der Fitness so nah wie möglich am zu bewältigenden Szenario halten. Beim Militär nennt man es auch gerne “Train as you fight“ also “trainiere wie du kämpfst”.

So sollte man ohne Probleme 10-20 Kilometer pro Tag mit ca. 10kg Gepäck im Mittelgebirge wandern können, da man am Berg insgesamt mit Auf- und Abstieg ca. 100km zurücklegt. Ein gut trainiertes Herzkreislaufsystem sowie gute Kraftausdauer sollte ebenfalls vorhanden sein. Ich empfehle ein intensives Kraftausdauertraining und außerdem extra Einheiten für die Körpermitte (Core) da die Last des Rucksacks diese Muskelpartien beim Aufstieg sehr belastet.

GEAR: HAIX NATURE ONE GTX

GEAR: HAIX NATURE ONE GTX

Das Schuhwerk sollte perfekt passen und zu keinem Zeitpunkt Blasen oder Schmerzen hervorrufen, denn der Fokus soll auf das Erlebnis und natürlich auch auf den Gipfel gerichtet sein. Bei mir kam der Haix Nature One GTX zum Einsatz und ich hätte mir keinen besseren Stiefel für dieses Vorhaben wünschen können. Bis zum letzten Tag keine Probleme.
Good Job Haix!

WAS IST MIT DER HÖHENKRANKHEIT?

Neben den nötigen Reisedokumenten wie z.B Visum und einige Impfungen beim Gesundheitsamt wirst du natürlich auch auf das Thema „Höhenkrankheit“ stoßen. Diese macht  sich im Normalfall ab einer Höhe von 3500 Metern mit Kopfscherz, Schwindel, Appetitlosigkeit und Übelkeit bemerkbar. In seltenen Fällen können die Symptome je nach Veranlagung auch schon in niedrigeren Höhen in Erscheinung treten. Wenn du viel in den Bergen unterwegs bist, kennt dein Körper leichte Höhen und ist resistenter.

Randinfo: Man sagt das man sich bis 5300m akklimatisieren kann d.h in dieser Höhe könnte man sich dauerhaft aufhalten ohne Schaden davon zu tragen. Alles über 5300m geht in den Bereich der Adaption, das Bedeutet der Körper versucht damit umzugehen, ein dauerhafter Aufenthalt würde den Tod zur Folge haben.

Da ich aus Hessen komme und hier nur kleine Hügel vor der Haustür habe, stieß ich schnell auf ein Problem bei den Vorbereitungen, da ich Urlaubs technisch keine Möglichkeit mehr hatte in die Berge zu fahren und mich zu akklimatisieren.

Meine Lösung: 10 Tage Höhengenerator mit Maske und Höhenzelt von Höhenbalance.de.

Mit diesem System konnte ich mich im heimischen Wohnzimmer auch ohne einen Besuch in Bayern gut vorbereiten. So bestand mein Trainingsplan aus täglich 60-90min Workouts mit leichtem auf der Stelle laufen oder Ergometer. Dabei trug ich eine Maske wie man sie aus dem Krankenhaus kennt, angeschlossen an den Generator mit eingestellter Höhe. Je nach Trainingsfortschritt immer mit etwas „höher“.

In der Nacht schlief ich in einem luftdichten Zelt und Isomatte und lies die sauerstoffarme Luft aus dem Generator durch einen Schlauch ins Zelt hereinströmen. Über einen Pulsoxymeter überwachte ich den Vorgang und stellte einen Alarm bei unterschreiten des Grenzwerts ein.

Durch den Sauerstoffentzug leitet der Körper langsam einen Prozess zur Vermehrung der roten Blutkörperchen ein um trotz Sauerstoffmangel leistungsfähig zu bleiben. Somit befinden sich nach dem Training für eine Dauer von ca. 3-6 Monaten mehr rote Blutkörperchen im Blut und helfen den Sauerstoffmangel z.B in Höhen auszugleichen. Diese Vorteile machen sich auch Leistungssportler zu nutze, da es nicht als Doping gilt.

Für den ein oder anderen klingt das eventuell etwas übertrieben, ich persönlich gehe aber lieber auf Nummer sicher.

WAS ERLEBT MAN AUF DEM KILIMANJARO?

Auf dem Kilimanjaro erlebt man jede Menge und das jeden Tag aufs neue. Das liegt vor allem an der sehr vielseitigen Landschaft bzw. den unterschiedlichen Vegetationszonen.

Ganz unten am Berg auf 1800m ist das Machame Gate, das Tor zum Kilimanjaro National Park. Hier startet die erste Etappe durch den Regenwald am Fuß des Berges. Bei Regenfällen ist hier die richtige Ausrüstung angesagt. Gute Regenbekleidung, ein Raincover/Drybag und griffiges Schuhwerk sind also Pflicht.

Es geht über einen schönen Trail durch den Regenwald und mit etwas Glück sieht man Affen, interessante Vogelarten aber auch interessante Pflanzen in allen Variationen und Farben.

MACHAME CAMP 2835 Meter AMSL

MACHAME CAMP 2835 Meter AMSL

Mit gutem Tempo erreicht man nach ca. 5 Stunden und 11km Strecke das Machame Camp auf 2835 Metern Höhe.

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An dieser Stelle verlässt man auch so langsam die tropische Regenwald Kulisse und es beginnt die Moorlandschaft die einem mit niedrigerem Baumwuchs Stück für Stück etwas mehr Aussicht ins Land gewährt.

Hier macht man auch das erste mal Bekanntschaft mit dem “White Neck Raven”, auf deutsch heißt er weniger cool einfach nur Geierrabe.

Er ließ sich gegen ein bisschen Futter ohne zu murren auf dem Baumstumpf ablichten.

Diese Vogelart begleitet euch fast bist zum Gipfel und sie schenkt euch morgens beim Frühstück immer etwas Aufmerksamkeit ohne zu aufdringlich zu sein.

Am nächsten Tag geht es durch große Nebelfelder Richtung Shira Camp das am Rande des Moorlands liegt, dabei stößt man auf viele verschiedene Heidegewächse und andere interessante Pflanzen.

BLICK AUF MT: MERU und LIL MERU.

BLICK AUF MT: MERU und LIL MERU.

Auf diesem Abschnitt kriegt man auch die ersten traumhaften Ausblicke geboten z.B auf den Mount Meru und seinen kleinen Bruder „Lil Meru“. Der Mt. Meru steht definitiv auch auf meiner Liste und es muss großartig sein einen Blick auf den Kilimanjaro zu werfen.

TIMELAPSE. GEAR: PANASONIC GH5 WITH 15mm leica Lens

TIMELAPSE.
GEAR: PANASONIC GH5 WITH 15mm leica Lens

SCHÖne aussicht. GEAR: HAIX NATURE ONE

SCHÖne aussicht.
GEAR: HAIX NATURE ONE

PORTER WITH THE BEST T-SHIRT. WHEN LIFE HANDS YOU ONIONS, MAKE A QUARTER POUNDER.

PORTER WITH THE BEST T-SHIRT.
WHEN LIFE HANDS YOU ONIONS, MAKE A QUARTER POUNDER.

Mit meinem Garmin InReach Mini zeichnete ich die komplette Strecke über die komplette Reise auf, so das Familie, Freunde und Bekannte zuhause mitverfolgen konnten wo ich mich zur Zeit befinde.

Über die SMS Funktion konnte ich kurze Nachrichten versenden auch wenn mit dem tansanischen Handynetz teilweise eine Verbindung möglich war.

Dabei verwendete ich den Tarif “Tracking MONTH” von protegear.de.

Hier großes Lob an Protegear. Zügige Abwicklung bzw. Freischaltung, enger Kontakt mit GARMIN falls das Gerät schon einmal auf einem Garmin Tarif lief und der Preis ist etwas günstiger als bei Garmin selbst. Allerdings fehlen auch ein paar exklusiv Features von Garmin.

GEAR: GARMIN InREACH MINI

GEAR: GARMIN InREACH MINI

Nach 5 Stunden und ca. 5km erreicht man das Shira Camp auf 3750m. Hier kriegt man noch einmal aller beste Aussicht auf den Kibo, Meru und den Shira geboten. Ein absoluter Traum! Um den Körper weiter zu akklimatisieren steige ich am Nachmittag noch mit meinem Guide auf die 4000m und wir verbleiben dort für ca. eine Stunde.

SHIRA CAMP 3750 METER AMSL mit blick auf MT. Meru

SHIRA CAMP 3750 METER AMSL mit blick auf MT. Meru

Am Abend wird im Zelt noch der Puls, die Blutsauerstoffsättigung gemessen und die Liste zum allgemeinen Wohlbefinden ausgefüllt. Die Werte sind ausgezeichnet, ich fühle mich gut und habe keine Anzeichen von Höhenkrankheit.

SHIRA CAMP 3750 METER AMSL GEAR: PRANA KIP SHIRT / ARCTERYX GAMMA LT / HAIX / SINN U1

SHIRA CAMP 3750 METER AMSL
GEAR: PRANA KIP SHIRT / ARCTERYX GAMMA LT / HAIX / SINN U1

PASTA UND MANGO Im Zelt GEAR: Carinthia TLG / Norrona BEANIE

PASTA UND MANGO Im Zelt
GEAR: Carinthia TLG / Norrona BEANIE

GUTE WERTE! GEAR: PULSOXYMETER

GUTE WERTE!
GEAR: PULSOXYMETER

Danach zum ausklingen noch eine Runde “Bullshit“ (ein Kartenspiel) mit dem Guide, den Trägern und einem Kolumbianer. Sehr lustig!

Am Himmel kann man bei Dunkelheit mit bloßem Auge die Sterne erkennen und schöne Bilder mit der Kamera aufnehmen.

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Auf dieser Höhe gibt es kaum Probleme mit der Lichtverschmutzung, also ein Paradies für Astrofotografen und Langzeitbelichtungs Fans.

Der dritte Wandertag startet mit Frost auf dem Zelt und der Sonne hinter dem Gipfel. Während des Frühstücks genießt man erneut die Aussicht aus dem Zelt heraus auf die tiefliegenden Wolken im Tal. Traumhaft!

BLICK RICHTUNG KIBO GEAR: YETI PANGA 75 DRYBAG

BLICK RICHTUNG KIBO
GEAR: YETI PANGA 75 DRYBAG

FRÜHSTÜCK MIT BESTER AUSSICHT

FRÜHSTÜCK MIT BESTER AUSSICHT

BLICK AUF SHIRA

BLICK AUF SHIRA

Nach dem Frühstück gehts über steile Pfade und über die höchste Wachtumsgrenze hinweg der Steinwüste des Kilimanjaros entgegen. Die Landschaft wird immer karger, steiniger und wüstiger. Es hat etwas von einer Mondlandschaft.

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Trotzdem gibt es auch Pflanzen die in diesen Höhen überleben können. Ein Beispiel ist die Schopfbaumart „Giant Senectio“ oder auch Riesenenezie, die ihre Blätter mit einer gewissen Stammhöhe von Bodenfrost fernhält und tote Blätter am Stamm hängen lässt um damit für Isolation zu sorgen.

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Diese Riesenenezie war mit ca. zwei Metern noch ein relativ kleines Beispiel, da sie bis zu 4 Meter hoch werden können. Nichts desto trotz eine sehr beeindruckende Pflanze mit einer beeindruckenden Technik um zu überleben.

4600 METER AMSL. (ABOVE MEAN SEA LEVEL)

Das ist die Höhe des Lava Towers den wir nach einigen Stunden erreichten. Hier spürte ich zum ersten mal das die Luft langsam dünn wird und mein Körper arbeiten muss. Dieses Camp diente uns als kurzer Peak zum akklimatisieren.

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Der Lava Tower wird aber auch gelegentlich als Zwischencamp für Wanderer genutzt, die weiter zum Arrow Glacier Camp aufsteigen (Western Breach Route).

Das Arrow Glacier Camp liegt auf einer Höhe von 4903m AMSL und dient wie das Barafu Camp auch als Camp bevor es zum Gipfel geht. Allerdings führt diese Strecke durch den Krater, was sie für viele interessanter macht.

Allerdings zählt der Aufstieg vom Glacier Camp als der anstrengendste und gefährlichste Aufstieg. Da durch die Gletscherschmelze immer wieder große Felsen freigegeben werden und diese ihren Weg ins Tal suchen.

Im Jahr 2006 starben durch einen solchen Vorfall drei amerikanische Bergsteiger, ein weiterer und vier Porter wurden schwer verletzt.

Wer den Krater dennoch begehen möchte, der kann das auch risikofreier über den normalen Weg unternehmen.

Nach circa einer Stunde Pause ging es wieder in den Abstieg durch den Barranco Canyon in Richtung Barranco Camp das fast am Ende des Canyons auf 3950m liegt. Auf dem Weg runter verdichtet sich der Nebel und die Sichtweite beträgt nur noch 10-20 Meter. Es ist total still und man hört lediglich seine Schritte.

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Weiter unten am Canyon wird es wieder etwas lebendiger, die Riesenenezien treten wieder zum Vorschein und unten im Canyon macht ein Wildbach unüberhörbar auf sich aufmerksam der sich durch die Felsen schneidet.

Die Luftfeuchtigkeit ist hier so hoch, das sich kleine Wasserperlen auf den Augenbrauen und der Kopfbedeckung bilden. So wird klar wo die Riesenenezie also ihr Wasser herbekommt und warum sie teilweise so hoch wächst.

Am Baranco Camp angekommen wird sich wie bei jedem Camp wieder handschriftlich in die National Park Liste eingetragen.

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Am Nachmittag klart es etwas auf und ich konnte mich auf einen Felsvorsprung am Canyon Ende stellen. Mit der traumhaften Aussicht konnte ich beobachten wie eine große Wolkenfront in den Canyon hereinzog. Traumhaft! Danach war die Sicht leider wieder begrenzt und der Tag neigte sich dem Ende zu.

THE BREAKFAST WALL

Am nächsten Tag stand nach dem aufstehen erstmal die “Barranco Wall“ an. Das ist eine 200 Meter hohe und relativ steile Felswand die ihren Zweitnamen als “Breakfast Wall“ bekommen hat, da man nach dem Aufstieg der Wand sein Frühstück definitiv wieder verbrannt hat.

AN DER BARANCO WALL GEAR: BUFF SOLID DESERT BIMINI CAP

AN DER BARANCO WALL
GEAR: BUFF SOLID DESERT BIMINI CAP

Trotzdem war es nicht so anstrengend wie ich es aus anderen Berichten erwartet hatte und fühlte mich danach noch ausreichend fit.

Die Sonne am morgen gibt einem natürlich auch die nötige Energie, kann einem aber auch gut die Haut verbrennen, da wir uns hier näher am Äquator befinden.

Hier empfehle ich neben LSV 50 auch eine Kopfbedeckung mit Nackenschutz auch wenn man dann so richtig wie ein deutscher Urlauber aussieht.

Mir hat die Kappe von BUFF sehr gut geholfen und ich bin bis auf einen leichten Sonnenbrand am V-Aussschnitt ohne Sonnenbrand abgereist.

Des weiteren ist sie äußerst gut belüftet, schnell trocknend und in sandfarben heizt sie sich nicht so schnell auf wie z.b eine braune oder schwarze Kappe.

EIN KURZER STOP NACH DER BREAKFAST WALL

EIN KURZER STOP NACH DER BREAKFAST WALL

Nach dieser kleinen Hürde ist es nur noch wenige Stunden zum nächsten Camp und zwar dem Karanga Camp auf 3995 m. Auf dem Weg dorthin geht es durch das Karanga Valley runter und dann über Hügelkämme und Täler zum Camp.

GEAR: PAtagonia nine trails 36L backpack / LEKI Micro carbon sticks

GEAR: PAtagonia nine trails 36L backpack / LEKI Micro carbon sticks

Zur Akklimatisierung gehe ich mit meinem Guide am selben Tag noch auf das 605m höher liegende Barafu Camp und bleibe dort für circa eine Stunde, um dann vor Einbruch der Dunkelheit wieder zurück im Karanga Camp zu sein. Danach heißt es ausruhen für den Gipfel Tag am nächsten morgen.

Sonnenuntergang beim abstieg nach der akklimatisierung im barafu camp

Sonnenuntergang beim abstieg nach der akklimatisierung im barafu camp

DAS BARAFU CAMP

Am nächsten morgen geht es dann zum Glück mit ausreichend Appetit ans Frühstück. Es gibt wie so oft sehr westliches Essen wie z.B Toast mit verschiedenen Aufstrichen, Porridge und auch Rührei. Ich bin froh das ich nicht unter Appetitlosigkeit oder Übelkeit leide und genieße das Essen zusammen mit einem White Neck Raven. Er freut sich über ein paar Krümel Toast und ich kann beim Essen das Tier beobachten.

Nach dem Frühstück ging es um 10 Uhr erneut in Richtung Gipfel, wieder zum “Barafu Camp“ aber dieses mal nicht nur zum akklimatisieren sondern als Zwischenstation zum Gipfel. Nach dem durchqueren der vernebelten Steinwüste gibt es wieder einen sagenhaften Ausblick über den Wolken den man nie vergisst. Es lohnt sich definitiv des Öfteren stehenzubleiben und einen Blick nach hinten zu werfen.

MT. meru got your six at any time

MT. meru got your six at any time

Drei Stunden später am Barafu Camp angekommen, gab es nach dem Zeltaufbau schon das nächste Essen. Es gibt Banana Stew, Mango und Toast. Auch auf dieser Höhe bin ich meinem Körper und der Vorbereitung sehr dankbar über die gute Verträglichkeit der Höhe.

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Ich genieße das Essen und beschließe zusammen mit meinem Guide, das wir nicht bis zur Nacht warten, sondern schon nach dem Essen zum Gipfel aufbrechen.

KEIN ZÜRÜCK MEHR!

Nach dem Essen füllte ich noch meine Trinkblase auf und packte mir Heatpacks in die Isolierung des Mundstücks damit meine Trinkversorgung auf dem Weg nach oben nicht gefriert. Schon ging es los!

HEAT PACK FÜR DAS MUNDSTÜCK GEAR: SOURCE TRINKBLASE MIT ISOLATION / THE HEAT COMPANY HEAT PACKS / PATAGONIA NINE TRAILS 36L / LEKI MICRO CARBON / SINN U1

HEAT PACK FÜR DAS MUNDSTÜCK
GEAR: SOURCE TRINKBLASE MIT ISOLATION / THE HEAT COMPANY HEAT PACKS / PATAGONIA NINE TRAILS 36L / LEKI MICRO CARBON / SINN U1

Schon auf den ersten hundert Metern merkte ich das mein Körper schwer am arbeiten war und ich versuchte ihn zu beruhigen und einen Rhythmus zu finden. Sowohl beim Schritttempo als auch bei der Atmung.

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Nach ca. 30 bis 40 min war ich drin. Es war wie Meditation.

Die Atmung wurde flacher, die Bewegungen kraftsparender und mein Kopf konzentrierte sich auf die Schritte und die Atmung.

Trotzdem forderten manche Passagen einen kleinen Einbruch des Atemrhythmus.

Ich legte bis zum Stellar Point eine fünf minütige Pause ein. Diese Pause warf mich komplett aus dem Rhythmus und es dauerte 10-15min um wieder in die “Meditation“ zu kommen. Absolut nicht zu empfehlen.

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Die Aussicht nach hinten war natürlich grandios, allerdings wurden die Schulterblicke mit steigender Höhe immer weniger. Auf den letzten Metern zum Stellar Point ist man außerdem fast nur damit beschäftigt seinen Rhythmus beizubehalten und den Schweinehund im Kopf zu bekämpfen.

STELLAR POINT 5745m AMSL.

Nach einer relativ anstrengenden Steigung mit sandigen Untergrund und einem kleinen Kampf gegen Körper und Geist, erreichten wir nach fast genau dreieinhalb Stunden endlich “Stellar Point”. Ein sehr angenehmes Gefühl, da man jetzt das “schlimmste” hinter sich hat und es nur noch eine leichte Steigung gibt.

STELLAR POINT 5756M AMSL.

STELLAR POINT 5756M AMSL.

Es gibt einige Wanderer die aus Respekt gegenüber den Massai ab hier nicht weiter gehen, da für viele Massai der Uhuru Peak als heilig angesehen wird. Für mich kam diese Option nicht in Frage und es ging weiter.

UHURU PEAK 5895m AMSL.

Fast geschafft! Der Gipfel ist jetzt zum greifen nah und es ist nur noch eine kurze Etappe bis zum Uhuru Peak. Ich ziehe mir schnell meine warme Alpine Jacket von Carinthia über und warme Handschuhe von The Heat Company. Danach mache ich noch ein Selfie, spreche für die Video Aufnahmen etwas in die Kamera und weiter geht’s.

Der weg zum gipfel  GEAR: Carinthia alpine jacket / Oakley brille / Norrona Beanie / The HEAT COMPANY Polartec liner Handschuhe

Der weg zum gipfel
GEAR: Carinthia alpine jacket / Oakley brille / Norrona Beanie / The HEAT COMPANY Polartec liner Handschuhe

Durch das erreichen von Stellar Point fällt es jetzt natürlich um einiges leichter und die Vorfreude auf den Peak ist groß. Dazu kommt noch das der Porter jetzt meinen Rucksack trägt. Nicht weil ich es nicht mehr kann, sondern weil sie einfach gerne helfen und sich so natürlich ein besseres Trinkgeld erhoffen. Seid also nicht unhöflich und nehmt die Hilfe einfach an.

Die Konzentration muss natürlich trotzdem beibehalten werden, da wir uns mittlerweile in der Eis bzw. Gletscher Zone befinden und die Wege an manchen stellen vereist oder verschneit sind.

EIN Blick Zurück richtung stellar point

EIN Blick Zurück richtung stellar point

Ein Blick nach hinten in Richtung Stellar Point machte sich mal wieder bezahlt. Ein schöne Wolkenkulisse, klare Sicht und etwas spürbare Wärme durch die Sonne beim doch so eisigen Wind. Traumhaft!

Gipfelfoto auf 5895m AMSL.

Gipfelfoto auf 5895m AMSL.

Nach ungefähr einer Stunde und einer gefühlt endlosen Suche nach dem hölzernen Gipfelschild das ich bislang nur von Fotos kannte, erreichten wir nach Insgesamt 4 Stunden und 30 min endlich Uhuru Peak und genossen die grandiose Aussicht bei klarem Himmel.

Es ist ein außerordentlich gutes Gefühl, es nach all den Vorbereitungen und der ganzen Organisation geschafft zu haben.

Dazu kam noch, das wir den Gipfel für uns alleine hatten, denn zu dieser Zeit wird der Kibo nur selten bewandert. Der Plan ging also auf und es kam zu keiner Rangelei für ein Gipfelfoto.

Der Blick auf die Gletscher ist überragend und man weiß garnicht wo man zuerst hinsehen soll.

Definitiv ein unvergessliches Erlebnis, das ich ganz sicher noch einmal machen werde.

Nach einer Weile bekam ich leichte Kopfschmerzen und wir machten uns nach circa 30 Minuten langsam fertig für den Abstieg. Auf dem Weg runter konnten wir noch einmal die Gletscher und Mount Meru im Sonnenuntergang sehen. Es war der Hammer und ich bereute die Entscheidung schon am Mittag gestartet zu sein, keine Sekunde.

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Nach gut einer Stunde begann die Dämmerung allmählich und schnell brauchten wir unsere Kopflampen. Jetzt hieß es noch einmal volle Konzentration, besonders auf dem feinen instabilen Lava-Geröll.

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Während der Dunkelheit nutzte ich meine starke Blika RX 4 SC Kopflampe von Lupine und konnte so auch dem Porter den Weg ausleuchten, dessen Kopflampe sich nach wenigen Minuten verabschiedete.

Note: Das war wirklich so und ist kein erfundener Quatsch um hier die Lampe zu promoten! ;-)

Der Abstieg fühlte sich an wie eine halbe Ewigkeit und man fragt sich wie man solch einen langen Weg nach oben geschafft hat. Am Ende kamen wir nach zweieinhalb Stunden ziemlich erschöpft im Camp an, denn immerhin waren wir schon seit 12 Stunden auf den Beinen. Schnell wünschte ich den wenigen anderen Teilnehmern die ihre Besteigung noch vor sich hatten viel Erfolg und legte mich ins Zelt. Ein Traum sage ich euch!

DER ABSTIEG

Am nächsten morgen stand ich mit meinem Guide sehr früh auf um den kommenden Sonnenaufgang zu genießen. Bei genauerem Blick Richtung Gipfel konnte man kleine leuchtende Punkte in der Nähe des Stellarpoints erkennen. Das waren die Kopflampen der anderen Teilnehmer die sich über die Nacht zum Gipfel kämpften.

Sonnenaufgang mit blick auf den mawenzi (DER DUNKLE) mit einer höhe von 5148m AMSL.

Sonnenaufgang mit blick auf den mawenzi (DER DUNKLE) mit einer höhe von 5148m AMSL.

Wir genossen den Sonnenaufgang, frühstückten in Ruhe und machten uns auf die letzte große Etappe, dem Abstieg bis zum 18km entfernten Mweka Gate auf 1640m Höhe. Es besteht auch die Möglichkeit auf halbem Wege im Mweka Camp (3100M) zu übernachten und erst am nächsten Morgen zum Mweka Gate zu wandern.

Wenn ihr fit seid und euch der Gedanke an ein kühles Blondes zu oft in den Kopf steigt, dann könnt ihr an einem Stück absteigen. Dies müsst ihr aber mit den Guides absprechen und ihm das auch so schriftlich unterschreiben, da ihr so natürlich einen Tag früher zurück seid.

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Während des Abstiegs lagen überall die sogenannten “Kilimanjaro Taxis“ herum. Das sind Rettungstragen auf einem gefederten Einrad System zum Abtransport von verletzten oder kranken Teilnehmern. Hier wurde mir nochmal klar das der Kilimanjaro kein Spaß ist und es Richtig war sich etwas mehr darauf vorzubereiten.

Während des Abstiegs konnte ich noch einmal alle Vegetationszonen im Schnelldurchgang genießen und zwei Affen im Regenwald zeigten sich zum Schluss auch noch. Perfekt!

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Am Gate angekommen gibt es wieder etwas Papierkram für die Urkunde, ein großes Mittagessen mit Banana Stew, Obst und natürlich Mango Saft. Davor oder danach könnte ihr euch gegen etwas Trinkgeld noch die Stiefel putzen lassen.

Danach ging es mit dem Geländewagen vorbei an Kaffeeplantagen und anderen Farmen wieder zurück ins Hotel. Interessant und etwas skurril fand ich hier, das es an jeder Straßenecke quietschbunte und normale Särge zu kaufen gab.

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Auf den Straßen liest man entweder “Slow Down” oder auf Suaheli “Pole Pole”.

Du hörst es ständig am Berg und ich glaube es ist der Nr. 1 Tipp für den Gipfelerfolg. Mach langsam!

Ein bisschen davon kann man sich auch mit nach Hause ins hektische Umfeld nehmen. Manchmal nicht schlecht.

Im Hotel angekommen gibt es erstmal eine heiße Dusche und im Anschluss das verdiente und eiskalte Kilimanjaro Bier. Dieses Bier schmeckt übrigens erstaunlich gut und könnte sich durchaus in Deutschland sehen lassen.

FAZIT

Eine verdammt geile Tour von der ich noch lange zehren kann und die ich definitiv weiterempfehlen kann. Die Eindrücke am Berg sind einfach nur der Hammer und man vergisst sie garantiert nicht mehr.

Man lernt jede Menge nette Menschen kennen und wenn man das Hotel verlässt, kriegt man auch einen kleinen Eindruck der Kultur und wie die Menschen dort leben.

Die ganze Tour war sehr gut organisiert, das Hotel war sauber, keine Probleme mit dem Essen oder bzw. nach dem Essen und geschmeckt hat es auch.

Im Nachhinein würde ich sagen das ich es ohne die gute Vorbereitung wahrscheinlich nur knapp und weniger angenehm geschafft hätte. Es lohnt sich!

Ich halte eine durchschnittliche Fitness für Pflicht und man sollte sich nicht von Gipfelfotos älterer Wanderer oder von korpulenteren Personen in die Irre führen lassen. Es sagt nichts über die körperliche Verfassung der Personen aus!

Vielen Dank an dieser Stelle an alle meine Unterstützer, Partner und natürlich an meine Follower.

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